foodwatch: Hessische Beh├Ârden raten Schwangeren zu Arztbesuch nach Verzehr von Wilke-Produkten

Hessische Beh├Ârden raten Schwangeren zu Arztbesuch nach Verzehr von Wilke-Produkten, halten Informationen zu Verkaufsstellen aber weiter zur├╝ck

foodwatch kritisiert l├╝ckenhafte Angaben von Ministerin Priska Hinz in Ausschusssitzung im Landtag

Die hessischen Beh├Ârden empfehlen Schwangeren, die zur├╝ckgerufene Wilke-Produkte gegessen haben, einen Arzt aufzusuchen ÔÇô halten aber gleichzeitig genau jene Informationen zur├╝ck, mit denen Schwangere pr├╝fen k├Ânnen, ob sie die betroffenen Produkte verzehrt haben. Diese Informationspolitik hat die Verbraucherorganisation foodwatch als unverantwortlich kritisiert und Landesverbraucherschutzministerin Priska Hinz in einem Offenen Brief aufgefordert, endlich alle vorliegenden gesundheitsrelevanten Informationen ├Âffentlich zu machen.

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ÔÇ×Schwangere, die betroffene Produkte verzehrt haben, sollten sich auch ohne Symptome in ├Ąrztliche Behandlung begeben und sich beraten lassenÔÇť: So lautet die offizielle Empfehlung der hessischen Beh├Ârden, wie sie etwa an der zum Fall Wilke eigens eingerichteten Verbraucherhotline ausgesprochen wird. Das erkl├Ąrte das Regierungspr├Ąsidium Darmstadt in einer mit dem Ministerium abgestimmten Antwort auf eine Anfrage von foodwatch. Damit stufen die hessischen Beh├Ârden es selbst als gesundheitsrelevant ein, pr├╝fen zu k├Ânnen, ob Schwangere Wilke-Produkte verzehrt haben. Da die Ware jedoch lose und ohne Kennzeichnung an Wursttheken, in Kantinen und Restaurants abgegeben wurde, ist dies bisher nicht m├Âglich ÔÇô denn die hessischen Beh├Ârden halten ihnen vorliegende Angaben ├╝ber die Wilke-Abnehmer und Verkaufsstellen geheim.

ÔÇ×Die hessischen Beh├Ârden empfehlen also offiziell, dass Schwangere aus dem alleinigen Grund, dass sie vom R├╝ckruf erfasste Lebensmittel verzehrt haben k├Ânnten, einen Arzt aufsuchen sollten. Gleichzeitig aber enthalten sie Schwangeren (und anderen Risikogruppen) jedoch genau jene Informationen vor, mit denen diese ├╝berhaupt erst pr├╝fen k├Ânnten, ob sie die zur├╝ckgerufenen Lebensmittel tats├Ąchlich verzehrt haben! Diese Empfehlung und die Informationspolitik der hessischen Beh├Ârden stehen in eklatantem Widerspruch zueinanderÔÇť, schrieb foodwatch-Gesch├Ąftsf├╝hrer Martin R├╝cker in dem Offenen Brief an Ministerin Priska Hinz. ÔÇ×F├╝r die Informationspolitik der hessischen Beh├Ârden tragen Sie die politische Verantwortung. Ich fordere Sie daher auf: Sorgen Sie daf├╝r, dass die hessischen Beh├Ârden die ihnen vorliegenden, gesundheitsrelevanten Informationen nicht l├Ąnger unter Verschluss halten!ÔÇť

Hintergrund ist, dass eine Listeriose auch unbemerkt ohne Symptome verlaufen kann, bei Schwangeren jedoch auf das ungeborene Kind ├╝bergehen kann. Hessische Beh├Ârden hatten zuletzt argumentiert, dass ihnen keine ÔÇ×vollst├ĄndigeÔÇť Liste der Verkaufs- und Abgabestellen der Wilke-Produkte vorliege. ÔÇ×Dass wom├Âglich noch Informationen fehlen, kann doch nicht ernsthaft als Argumentation herhalten, die vorhandenen, gesundheitsrelevanten Informationen zu verschweigen. Muss denn wirklich erst noch mehr passieren?ÔÇť, so foodwatch-Gesch├Ąftsf├╝hrer Martin R├╝cker in seinem Schreiben an Priska Hinz.

Zudem kritisierte foodwatch die heute von Ministerin Priska Hinz anl├Ąsslich einer Ausschusssitzung im hessischen Landtag verbreiteten Informationen als l├╝ckenhaft. In einer Pressemitteilung erkl├Ąrte Frau Hinz: ÔÇ×Sobald sich die Hinweise verdichteten, dass von Produkten der Firma Wilke m├Âglicherweise eine Gefahr ausgeht, hat das Ministerium als Oberste Fachaufsicht mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg das weitere Verfahren und m├Âgliche Ma├čnahmen besprochen, denn der Landkreis ist in diesem Fall die zust├Ąndige ├ťberwachungs- und Kontrollbeh├Ârde.ÔÇť Diese Verdichtung von Hinweisen gab es jedoch bereits am 12. August 2019: Zu diesem Zeitpunkt informierte das Bundesamt f├╝r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) das hessische Ministerium ├╝ber einen Listerien-Verdacht bei Wilke-Produkten im Zusammenhang mit Erkrankungen und Todesf├Ąllen ÔÇô gleichzeitig wussten die hessischen Beh├Ârden zu diesem Zeitpunkt, dass es bereits einige Monate zuvor Listeriennachweise und eine R├╝cknahmeaktion aus diesem Grund bei Wilke gegeben hatte.

ÔÇ×Frau Hinz muss im Detail darlegen, was ihr Ministerium seit dem 12. August getan hat und warum es dann noch bis zum 2. Oktober dauerte, bis Wilke-Produkte zur├╝ckgerufen wurden und die ├ľffentlichkeit gewarnt wurdenÔÇť, sagte foodwatch-Gesch├Ąftsf├╝hrer Martin R├╝cker.

In ihrer Pressemitteilung r├Ąumte Frau Hinz zudem heute ein, dass die ÔÇô im EU-Lebensmittelrecht eindeutig vorgeschriebene ÔÇô R├╝ckverfolgbarkeit entlang der Lieferkette nicht funktioniert: ÔÇ×Wir k├Ânnen schlicht nicht nachvollziehen, in welchem Supermarkt und in welcher Kantine die Wilke-Wurst verkauft wurdeÔÇť, hei├čt es darin. Aus Sicht von foodwatch ein ÔÇ×OffenbarungseidÔÇť. Die hessischen Beh├Ârden h├Ątten damit gleich doppelt versagt: Zwei Wochen nach dem R├╝ckruf und fast zwei Monate, nachdem ihnen eine Kundenliste von Wilke vorlag, k├Ânnen sie noch immer nicht sagen, wo die Ware ├╝berall verkauft wurde. Gleichzeitig kennen sie jedoch offenbar einen Teil der Verkaufs- und Abgabestellen ÔÇô und diesen Teil halten sie weiter zur├╝ck.

Mehr Informationen und Quellen:
Offener Brief von foodwatch an Ministerin Priska Hinz

Quelle: foodwatch e.V.
Internet: www.foodwatch.de

 

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