Skandal um keimbelastete Wurst: foodwatch schaltet Gericht ein

Im Zusammenhang mit dem R├╝ckruf von Lebensmitteln des hessischen Unternehmens Wilke schaltet die Verbraucherorganisation foodwatch ein Gericht ein. Nachdem die hessischen Beh├Ârden bis zum sp├Ąten Dienstagnachmittag auf Antrag von foodwatch ihr Wissen ├╝ber Abnehmer der wegen einer m├Âglichen Keimbelastung zur├╝ckgerufenen Produkte nicht ├Âffentlich gemacht haben, reichte die Verbraucherorganisation einen Eil-Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel ein.

Am vergangenen Sonntag hatte foodwatch bei den verantwortlichen Beh├Ârden beim Landkreis sowie beim hessischen Umweltministerium und dem Regierungspr├Ąsidium Darmstadt beantragt, binnen 48 Stunden alle vorhandenen Informationen ├╝ber die vom Wilke-R├╝ckruf betroffenen Produkte, die Abnehmer des Unternehmens und die bekannten Verkaufs- und Abgabestellen wie Wursttheken oder Kantinen herauszugeben. Auch nach Ablauf der Frist war bei foodwatch keine Antwort eingegangen.

„Die Beh├Ârden haben bei der Information der Verbraucherinnen und Verbraucher schon viel zu lange auf Zeit gespielt ÔÇô dabei machen wir nicht mit“, erkl├Ąrte foodwatch-Gesch├Ąftsf├╝hrer Martin R├╝cker.

Im staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de hatten die hessischen Beh├Ârden am Montagabend zun├Ąchst eine Produktliste mit mehr als 1.100 Eintr├Ągen sowie eine separate Markenliste ├Âffentlich gemacht. Damit k├Ânnen Verbraucherinnen und Verbraucher bei verpackten/ausgewiesenen Produkten nun besser ├╝berpr├╝fen, welche aus der Produktion von Wilke stammen. Weiterhin nicht nachvollziehbar ist es f├╝r die Menschen jedoch, an welchen Verkaufs- und Abgabestellen sie vom R├╝ckruf betroffene lose Ware, etwa an Wursttheken, oder Wilke-Produkte in Restaurants, Hotels oder Kantinen erhalten haben k├Ânnten. Unklar ist aus Sicht von foodwatch zudem, ob Wilke auch an die Lebensmittelindustrie geliefert hat und damit weitere Produkte anderer Hersteller betroffen sein k├Ânnten.

Nach Angaben des hessischen Umweltministeriums gegen├╝ber foodwatch liegt den Beh├Ârden sp├Ątestens seit dem 26. August 2019 eine Lieferliste der Firma Wilke vor. Die Beh├Ârden hatten damit seit Ende August Zeit, die weiteren Lieferwege zu recherchieren. Eine l├╝ckenlose R├╝ckverfolgbarkeit ist eine Grundma├čgabe des europ├Ąischen Lebensmittelrechts, die oft jedoch nicht durchgesetzt wird.

„Wir m├Âchten wissen, welche Erkenntnisse die Beh├Ârden ├╝ber Abnehmer und Verkaufsstellen haben. Bei einem so schweren Verdacht wie einer Listerienbelastung darf keine bekannte, verbraucherrelevante Information unter Verschluss bleiben“, so foodwatch-Gesch├Ąftsf├╝hrer Martin R├╝cker. Mit dem gerichtlichen Antrag wolle foodwatch kl├Ąren, welche Informationsanspr├╝che die Verbraucherinnen und Verbraucher bei einem gesundheitlich begr├╝ndeten R├╝ckruf haben: „Entweder gibt es einen Rechtsanspruch ÔÇô dann m├╝ssen die hessischen Beh├Ârden endlich liefern und die Menschen informieren. Gibt es keinen Rechtsanspruch, dann muss der Gesetzgeber dringend nachbessern und die Beh├Ârden zu Transparenz verpflichten.“

Quelle: foodwatch e.V.
Internet: www.foodwatch.de


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