Titandioxid: foodwatch fordert R├╝ckruf von Dr. Oetker-Produkt

Backzutatenhersteller t├Ąuscht ├ľffentlichkeit: Labortests zeigen bis zu 100 Prozent Nano-Anteil bei Titandioxid


Im Streit um Titandioxid hat foodwatch Dr. Oetker vorgeworfen, die ├ľffentlichkeit zu t├Ąuschen. Die Verbraucherorganisation forderte den Backzutatenhersteller auf, ein Kuchen-Deko-Produkt, das nachweislich zu 100 Prozent Titandioxid in Nanopartikel-Form enthalte, sofort zur├╝ckzurufen. Zudem m├╝sse das Unternehmen ein konkretes Ausstiegsdatum f├╝r die Verwendung des umstrittenen Farbstoffes nennen. Dr. Oetker hatte behauptet, der Einsatz sei „gesundheitlich unbedenklich“, weil in dem verwendeten Titandioxid „keine Nanopartikel enthalten“ seien. Unabh├Ąngige Laboruntersuchungen, die foodwatch vergangene Woche ├Âffentlich gemacht hatte, zeigen jedoch, dass in allen getesteten Oetker-Produkten Titandioxid in Nanopartikel-Gr├Â├če enthalten war – teilweise bis zu 100 Prozent. Titandioxid (E171) dient in Lebensmitteln als wei├čer Farbstoff und wird insbesondere in Kaugummis, Backzutaten und Backwaren verwendet. Die gesundheitlichen Risiken sind umstritten. Frankreich hat als erstes europ├Ąisches Land den Stoff ab 2020 vorerst verboten, da E171 die Darmflora sch├Ądigen und in seiner allerkleinsten Form im Nanometerbereich m├Âglicherweise Krebs ausl├Âsen kann, wie wissenschaftliche Studien nahelegen.

 

Produkt „Dekor Kreation Rosa Mix“, das laut Laboranalysen zu 100 Prozent Nano-Titandioxid enth├Ąlt – Build: foodwatch e.V.

„Von Zucker-Streusel bis Kuchen-Deko: Viele typische Kindergeburtstag-Produkte von Dr. Oetker enthalten den potenziell krebsausl├Âsenden Zusatzstoff Titandioxid – teilweise zu 100 Prozent im besonders umstrittenen Nanometer-Bereich. Wenn Dr. Oetker behauptet, seine Produkte sind unbedenklich und es ist kein Nano enthalten, dann ist das zu 100 Prozent gelogen. Ein renommiertes Traditionsunternehmen wie Dr. Oetker sollte endlich auf Titandioxid verzichten. Andere Hersteller zeigen, wie es geht“, sagte Patrick M├╝ller von foodwatch.

Die Verbraucherorganisation forderte Dr. Oetker in einem offenen Brief auf, ein konkretes Ausstiegsdatum f├╝r die Verwendung des Zusatzstoffes zu nennen und zudem sein Produkt „Dekor Kreation Rosa Mix“, das laut Laboranalysen zu 100 Prozent Nano-Titandioxid enth├Ąlt, sofort vom Markt zu nehmen. ├ťber eine Online-Protestaktion von foodwatch unter┬áwww.aktion-titandioxid.foodwatch.de┬áfordern bereits mehr als 26.000 Verbraucherinnen und Verbraucher von dem Unternehmen, die Verwendung des umstrittenen Zusatzstoffes zu stoppen.

foodwatch warf Dr. Oetker in mehreren F├Ąllen eine T├Ąuschung der ├ľffentlichkeit┬ávor:

1. Dr. Oetker behauptet, in dem verwendeten Titandioxid seien┬á„keine Nanopartikel enthalten“. Das ist nachweislich falsch: foodwatch hat in einem unabh├Ąngigen Labor exemplarisch vier Produkte des Bielefelder Unternehmens testen lassen – in allen vier Proben wurden erhebliche Anteile von Nanopartikeln nachgewiesen. Das in der „Backmischung Streuselkuchen“ enthaltene Titandioxid bestand zu 22 Prozent aus Partikeln in Nanogr├Â├če, in den „Lustigen Zuckeraugen“ zu 33 Prozent, im „Fix & Fertig Zuckerguss Classic“ zu 42 Prozent. Das in der „Dekor Kreation Rosa Mix“ enthaltene Titandioxid bestand sogar zu 100 Prozent aus Nanopartikeln. Zudem ist wissenschaftlich unbestritten, dass Titandioxid herstellungsbedingt praktisch immer Nanopartikel enth├Ąlt. Das belegt beispielsweise auch ein Test der EU-Lebensmittelbeh├Ârde (EFSA), der in allen untersuchten Produkten Nanopartikel gefunden hatte.┬á

2. Dr. Oetker behauptet, der Lebensmittelzusatz Titandioxid in seinen Produkten sei┬á„gesundheitlich unbedenklich“. Tats├Ąchlich jedoch sind die gesundheitlichen Gefahren zumindest umstritten. Laut der franz├Âsischen Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (ANSES) kann die Sicherheit aktuell nicht belegt werden. In Frankreich darf der Stoff Lebensmitteln ab 2020 vorerst nicht mehr zugesetzt werden. Die Europ├Ąische Lebensmittelsicherheitsbeh├Ârde (EFSA) vertritt hingegen die Auffassung, dass die verf├╝gbaren Daten „keine Hinweise“ auf Gesundheitsbedenken f├╝r Verbraucherinnen und Verbraucher geben. Allerdings r├Ąumen sowohl die EFSA als auch das deutsche Bundesinstitut f├╝r Risikobewertung (BfR) ein, dass weiterer Forschungsbedarf bestehe.

3. Dr. Oetker erweckt den Eindruck, das Unternehmen m├╝sse noch an┬áAlternativen zu E171┬áarbeiten. Dabei ist der Zusatzstoff komplett verzichtbar, andere Hersteller produzieren schon heute ohne Titandioxid. Zudem gibt es unbedenkliche Ersatzstoffe wie etwa Reisst├Ąrke. In Bio-Lebensmitteln ist Titandioxid grunds├Ątzlich verboten.

4. Dr. Oetker behauptet, seine┬áLieferanten┬áh├Ątten versichert, das verwendete Titandioxid enthalte keine Nanopartikel. Belege f├╝r diese Zusicherung legt das Unternehmen jedoch nicht vor. Eigene Kontrollen hat Dr. Oetker offenbar nicht durchgef├╝hrt. Ohnehin ist eine Herstellung von E171 im industriellen Ma├čstab ohne Nanopartikel technisch gar nicht m├Âglich.

5. Dr. Oetker hatte gegen├╝ber foodwatch behauptet, man verfolge „die wissenschaftliche Diskussion um den Einsatz des Farbstoffes E171, Titandioxid, sehr aufmerksam“ und erwarte das┬áGutachten der EU-Lebensmittelbeh├Ârde┬ázu dem Thema. Dabei lag das EFSA-Gutachten zu diesem Zeitpunkt bereits vor und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass E171 f├╝r die industrielle Verwendung nicht ohne Nanopartikel hergestellt wird.

„Sind Dr. Oetker die puddingweichen Ausfl├╝chte gegen├╝ber seinen Kundinnen und Kunden eigentlich kein bisschen unangenehm? Wenn Dr. Oetker den vorbeugenden Gesundheitsschutz ernst nimmt, kann es nur eines geben: Schluss mit Titandioxid! E171 hat keinerlei Nutzen f├╝r die Verbraucherinnen und Verbraucher“, so Patrick M├╝ller von foodwatch.

Neben Dr. Oetker verwenden auch weitere Backzutatenhersteller wie Ruf und G├╝nthart sowie S├╝├čwarenproduzenten wie Mars und Dunkin Donuts Titandioxid in ihren Produkten. Au├čer in Backzutaten kommt der Wei├čmacher vor allem in Kaugummis und Dragee-Umh├╝llungen zum Einsatz.

Auf Nachfrage von foodwatch k├╝ndigten die Hersteller Reinhardt Lolly Spezialit├Ąten und McDonaldÔÇśs an, zuk├╝nftig auf Titandioxid zu verzichten. Auch Mars will kein Titandioxid mehr verwenden. Au├čerhalb des Lebensmittelbereiches findet der Stoff vor allem in Farben und Lacken Verwendung. Auch in Medikamenten, Zahnpasta und Kosmetika wird der Stoff eingesetzt, dann wird er als CI 77891 bezeichnet.

E-Mail-Aktion von foodwatch: www.aktion-titandioxid.foodwatch.de

Quelle: foodwatch
Internet: www.foodwatch.de

 

 

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