foodwatch: Krebsverd├Ąchtiger Farbstoff Titandioxid in Backzutaten von Dr. Oetker

Potenziell krebserregender Farbstoff in Backzutaten von Dr. Oetker – foodwatch fordert Verzicht auf Titandioxid (E171) – Labortests widerlegen Behauptung von Dr. Oetker: Produkte des Herstellers enthalten besonders risikoreiches Nano-Titandioxid

Zucker-Streusel, Backmischung, Kuchen-Deko

Zahlreiche Backzutaten des Nahrungsmittelkonzerns Dr. Oetker enthalten den potenziell krebsausl├Âsenden Lebensmittelzusatzstoff Titandioxid. Das hat die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert. foodwatch forderte Dr. Oetker auf, kein Titandioxid mehr in seinen Produkten zu verwenden und startete unter www.aktion-titandioxid.foodwatch.de┬áeine Online-Protestaktion an das Unternehmen. Titandioxid – in der Zutatenliste meist als E171 abgek├╝rzt – dient in Lebensmitteln als wei├čer Farbstoff. In Frankreich darf der Stoff Lebensmitteln ab 2020 vorerst nicht mehr zugesetzt werden, da E171 die Darmflora sch├Ądigen und in Form allerkleinster Nanopartikel m├Âglicherweise Krebs ausl├Âsen kann, wie wissenschaftliche Studien nahelegen.┬á

„Krebsverd├Ąchtige Zusatzstoffe haben in Lebensmitteln absolut nichts zu suchen“, sagte Patrick M├╝ller von foodwatch.┬á„Dr. Oetker muss seine Verantwortung gegen├╝ber den Kundinnen und Kunden ernst nehmen und nur sichere Produkte anbieten – ohne Titandioxid.“

Titandioxid ist ein stark wei├č f├Ąrbendes Pigment, das in der Europ├Ąischen Union als Farbstoff in Lebensmitteln zugelassen ist. Die Auswirkungen des Stoffes auf die Gesundheit sind umstritten – insbesondere in seiner allerkleinsten Form im Nanometerbereich. Aufgrund ihrer winzigen Gr├Â├če k├Ânnen Nanopartikel k├Ârperliche Schutzbarrieren leichter durchdringen, etwa die Darmbarriere. Dr. Oetker teilte gegen├╝ber foodwatch jedoch mit, dass der Farbstoff „gesundheitlich unbedenklich“ sei: „F├╝r alle Dr. Oetker Produkte, die den Farbstoff Titandioxid derzeit noch enthalten, k├Ânnen wir Ihnen versichern, dass die Gr├Â├če des verwendeten Titandioxids oberhalb der Nanogrenze liegt.“ Es seien „keine Nanopartikel enthalten“.

Von foodwatch in Auftrag gegebene Laboranalysen widerlegen diese Aussagen von Dr. Oetker jedoch: In vier von vier getesteten Produkten wurden erhebliche Anteile von Nanopartikeln nachgewiesen. Das in der „Backmischung Streuselkuchen“ enthaltene Titandioxid bestand demnach zu 22 Prozent aus Partikeln in Nanogr├Â├če, in den „Lustigen Zuckeraugen“ zu 33 Prozent, im „Fix & Fertig Zuckerguss Classic“ zu 42 Prozent. Das in der „Dekor Kreation Rosa Mix“ enthaltene Titandioxid bestand sogar zu 100 Prozent aus Nanopartikeln.┬á

„Anstatt im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes schnellstm├Âglich auf Titandioxid zu verzichten, tischt Dr. Oetker uns eine glatte Falschbehauptung auf – dabei ist wissenschaftlich sonnenklar, dass Titandioxid immer auch die besonders gef├Ąhrlichen Nanopartikel enth├Ąlt“, sagte Patrick M├╝ller von foodwatch.

Neben Dr. Oetker verwenden auch weitere Backzutatenhersteller wie Ruf und G├╝nthart sowie S├╝├čwarenproduzenten wie Mars und Dunkin Donuts Titandioxid in ihren Produkten. Au├čer in Backzutaten kommt der Wei├čmacher vor allem in Kaugummis und Dragee-Umh├╝llungen zum Einsatz. Auf Nachfrage von foodwatch k├╝ndigten die Hersteller Reinhardt Lolly Spezialit├Ąten und McDonalds an, in ihren S├╝├čwaren zuk├╝nftig auf Titandioxid zu verzichten. Auch Mars will k├╝nftig kein Titandioxid mehr verwenden, etwa in den M&MÔÇÖs-Schokolinsen und „Wrigleys“-Kaugummis. foodwatch kritisierte, dass Dr. Oetker an der Verwendung von E171 festhalte, obwohl der Stoff einfach zu ersetzen sei und zudem keinerlei Nutzen f├╝r die Verbraucherinnen und Verbraucher habe. In Bio-Lebensmitteln ist Titandioxid grunds├Ątzlich verboten.

Als erstes europ├Ąisches Land hat Frankreich ein Verbot des Verkaufs von Lebensmitteln mit E171 erlassen, g├╝ltig zun├Ąchst vom 01.01.2020 bis 31.12.2020. In dieser Zeit sollen die Risiken des Zusatzstoffs weiter erforscht werden. Anlass f├╝r das Moratorium waren neue Studien, die bereits bestehende wissenschaftliche Hinweise auf Risiken von E171 best├Ąrkten. Laut der franz├Âsischen Beh├Ârde f├╝r Lebensmittelsicherheit (ANSES) kann die Sicherheit des Zusatzstoffs aktuell nicht belegt werden. Die franz├Âsische Regierung tr├Ągt mit ihrer Verbotsentscheidung dem im EU-Lebensmittelrecht verankerten europ├Ąischen Vorsorgeprinzip Rechnung. Die Europ├Ąische Lebensmittelsicherheitsbeh├Ârde (EFSA) vertritt hingegen die Auffassung, dass die verf├╝gbaren Daten „keine Hinweise“ auf Gesundheitsbedenken f├╝r Verbraucherinnen und Verbraucher geben. Allerdings r├Ąumen sowohl die EFSA als auch das deutsche Bundesinstitut f├╝r Risikobewertung (BfR) ein, dass weiterer Forschungsbedarf bestehe.

Aufgrund der Sicherheitsbedenken der ANSES hat ein B├╝ndnis aus europ├Ąischen Gesundheits- und Verbraucherverb├Ąnden unter Beteiligung von foodwatch die Europ├Ąische Kommission aufgefordert, ein europaweites Verbot von E171 zu veranlassen. Der weitere Einsatz widerspreche dem europ├Ąischen Vorsorgeprinzip.

Au├čerhalb des Lebensmittelbereiches findet der Stoff vor allem in Farben und Lacken Verwendung. Auch in Medikamenten, Zahnpasta und Kosmetika wird der Stoff eingesetzt, dann wird er als CI 77891 bezeichnet.

Protest-Aktion an Dr. Oetker gestartet

E-Mail-Aktion von foodwatch: www.aktion-titandioxid.foodwatch.de  

 

Quelle und Abbildung: foodwatch e.V.
Internet: www.foodwatch.de


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