Topf Secret – Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, B├Ąckereien & Co. abfragen

foodwatch und FragDenStaat starten Plattform gegen Geheimniskr├Ąmerei bei Lebensmittelbeh├Ârden – auf „Topf Secret“ k├Ânnen Verbraucher Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, B├Ąckereien & Co. abfragen

Auf der Online-Plattform „Topf Secret“ k├Ânnen deutschlandweit Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben abgefragt werden┬á– Bislang halten die Beh├Ârden die allermeisten Ergebnisse geheim┬á– foodwatch und FragDenStaat fordern die konsequente Ver├Âffentlichung aller Kontrollergebnisse wie in D├Ąnemark oder Wales

Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, B├Ąckereien & Co. abfragen

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat gehen gegen Geheimniskr├Ąmerei in Lebensmittelbeh├Ârden vor: Die beiden Organisationen haben heute die Online-Plattform „Topf Secret“ gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, B├Ąckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und ver├Âffentlichen k├Ânnen. Bisher machen die Kontrollbeh├Ârden in Deutschland nur in Ausnahmef├Ąllen ├Âffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, gr├Â├čtenteils wegen Hygienem├Ąngeln. foodwatch und FragDenStaat wollen mit der Mitmach-Plattform Druck aufbauen, damit Beh├Ârden in Zukunft ausnahmslos alle Kontrollergebnisse ver├Âffentlichen m├╝ssen. Erst das schaffe den n├Âtigen Anreiz f├╝r Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Bundesern├Ąhrungsministerin Julia Kl├Âckner m├╝sse die gesetzliche Grundlage f├╝r ein Transparenzsystem wie in D├Ąnemark, Wales oder Norwegen schaffen. Dort werden alle Ergebnisse der amtlichen Lebensmittel├╝berwachung ver├Âffentlicht, im Internet und direkt an der Ladent├╝r.┬á

„Die allermeisten Lebensmittelbetriebe in Deutschland arbeiten sauber. Doch etwa jeder vierte Betrieb wird bei den Kontrollen beanstandet“, erkl├Ąrte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.┬á„Kakerlaken in der Backstube, Schimmel im Lieblingsrestaurant, ekelerregende Zust├Ąnde in der Wurstfabrik – die zust├Ąndigen Beh├Ârden wissen genau, in welchem Unternehmen geschlampt wird. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren das in der Regel nicht, nur Ausnahmef├Ąlle m├╝ssen ver├Âffentlicht werden. Mit dieser Geheimniskr├Ąmerei sch├╝tzt die Bundesregierung die Schmuddelbetriebe auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher und der vielen sauber arbeitenden Unternehmen.“

Unter┬áwww.topf-secret.foodwatch.de┬ák├Ânnen Verbraucherinnen und Verbraucher bei den zust├Ąndigen Beh├Ârden einen Antrag auf Ver├Âffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die gesetzliche Grundlage ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Nutzerinnen und Nutzer k├Ânnen einen beliebigen Betrieb – von Restaurants ├╝ber B├Ąckereien bis hin zu Tankstellen – ├╝ber eine Suchfunktion oder per Klick auf einer Stra├čenkarte aussuchen. Nutzerinnen und Nutzer brauchen lediglich Name, E-Mail- und Postadresse eingeben, die gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zust├Ąndige Beh├Ârde ├╝bermittelt werden. Die Antragstellung ist innerhalb von einer Minute fertig. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten die Ergebnisse allerdings erst nach mehreren Wochen. Es kann auch passieren, dass sich Beh├Ârden quer stellen.┬á

„Bund und L├Ąnder haben es jahrelang verschlafen, f├╝r Transparenz in der Lebensmittel├╝berwachung zu sorgen. Das wollen wir mit ‚Topf Secret‘ ├Ąndern! Je mehr Menschen mitmachen und Antr├Ąge stellen, desto mehr Infos kommen ans Licht – und desto gr├Â├čer ist der Druck auf die Bundesregierung, endlich eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die Transparenz zur Regel macht und nicht zur Ausnahme„, sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat.┬á„So oder so gilt: ‚Topf Secret‘ kann nur eine Zwischenl├Âsung sein. Wenn die Bundesregierung in Zukunft die Ver├Âffentlichung aller Kontrollergebnisse vorschreibt, schalten wir unsere Plattform gerne wieder ab.“

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer Entscheidung vom vergangenen Jahr ausdr├╝cklich die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern auf Informationen ├╝ber lebensmittelrechtliche Verst├Â├če, also zum Beispiel Missst├Ąnde bei der Hygiene, anerkannt. Union und SPD haben sich zwar in ihrem neuen Koalitionsvertrag auch darauf verst├Ąndigt, „eine ├╝bersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“ zu gew├Ąhrleisten. Allerdings sollen Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur „auf freiwilliger Basis“ ver├Âffentlichen. foodwatch und FragDenStaat kritisierten, dass ein freiwilliges System erfahrungsgem├Ą├č nicht funktioniere – wie das Beispiel Niedersachsen zeige: In zwei Testst├Ądten, Hannover und Braunschweig, konnten Lebensmittelbetriebe freiwillig ihre Kontrollergebnisse in Form eines „Hygiene-Barometers“ an der Ladent├╝r aush├Ąngen. Doch nur vier Prozent der Betriebe haben sich laut dem nieders├Ąchsischen Agrarministerium an dem Projekt beteiligt.

Anders zum Beispiel in D├Ąnemark: Dort erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladent├╝r und im Internet anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in den Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einf├╝hrung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. „Das Smiley-System in D├Ąnemark funktioniert. Umfragen zeigen, dass praktisch alle Verbraucher das Smiley-System kennen und es bei der Wahl eines Restaurants oder eines Ladens ber├╝cksichtigen. Es zeigt auch, dass Lebensmittelunternehmen Ma├čnahmen ergreifen, um die Standards zu verbessern, mit dem Ziel, einen l├Ąchelnden Smiley zu bekommen. Das Smiley-System erh├Âht die Lebensmittelsicherheit zum Wohle aller“, erkl├Ąrte das d├Ąnische Umwelt- und Ern├Ąhrungsministerium.┬á

In Wales, wo Restaurants, B├Ąckereien, Schulkantinen und Superm├Ąrkte auf einer Skala von 0 bis 5 bewertet werden, sank die Quote der Betriebe mit schlechter Bewertung von rund 13 (2013) auf knapp 5 Prozent (2017). Auch Norwegen hat 2016 ein Smiley-System eingef├╝hrt. Dort ist die Zahl der beanstandeten Betriebe innerhalb eines Jahres ebenfalls gefallen – von 32 auf 21 Prozent.

In Deutschland ver├Âffentlicht das Bundesamt f├╝r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur anonymisierte Statistiken und Daten ├╝ber die Lebensmittel├╝berwachung. Die Quote der beanstandeten Betriebe liegt seit Jahren nahezu unver├Ąndert bei rund 25 Prozent. 2017 lag die Quote wegen einer neuen Erfassungsmethode nur bei 13,6 Prozent. Diese Zahl umfasst nicht – wie in den Jahren zuvor – sogenannte informelle Beanstandungen.┬á

Online-Plattform von foodwatch und FragDenStaat: www.topf-secret.foodwatch.de  

Quelle: foodwatch e.V.
Internet: www.foodwatch.de

Abbildung: foodwatch e.V.

Immer auf dem Laufenden mit unseren App’s zu Produktr├╝ckrufen und Verbraucherwarnungen┬áals┬ákostenloser Download┬á

App f├╝r iPhone google-play-badge

 


weitere Artikel zum Thema...