Netto Marken-Discount stoppt Verkauf von mineral├Âlbelastetem Adventskalender

foodwatch fordert ├Âffentlichen R├╝ckruf – stiller R├╝ckruf nicht ausreichend┬á– Mineral├Âlverunreinigung war Netto-Kooperationspartner WWF schon l├Ąnger bekannt┬á– Gesetzgeber darf Lebensmittelsicherheit nicht den Unternehmen ├╝berlassen


nawwfBerlin, 25. November 2016.
Netto Marken-Discount hat den Verkauf seines mineral├Âlbelasteten Schokoladen-Adventskalenders gestoppt. Das best├Ątigten Mitarbeiter des Lebensmittelh├Ąndlers am Freitag gegen├╝ber der Verbraucherorganisation foodwatch. Am Mittwoch waren auf Antrag von foodwatch Untersuchungsergebnisse des bayerischen Landesamts f├╝r Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bekannt geworden, denen zufolge der Kalender „Santa Claus in town“, von Netto Markendiscount in Kooperation mit der Umweltorganisation WWF angeboten, mit aromatischen Mineral├Âlen (MOAH) verunreinigt ist. MOAH gelten als potenziell krebserregend und erbgutsch├Ądigend.

foodwatch forderte den Lebensmitteldiscounter auf, nicht nur einen „stillen“ R├╝ckruf – also einen Verkaufsstopp – zu veranlassen, sondern einen ├Âffentlichen R├╝ckruf. Das Handelsunternehmen Norma hat zwei ebenfalls belastete Adventskalender der Firma R├╝bezahl bereits am Mittwoch ├Âffentlich zur├╝ckgerufen. „Es ist die Verantwortung von Netto Marken-Discount, jetzt auch all diejenigen zu informieren, die das belastete Produkt bereits gekauft haben. Kein Kind sollte diese Schokolade verzehren“, sagte Johannes Heeg von foodwatch.

Die Belastung war zudem schon l├Ąnger bekannt als bisher angenommen. Nach eigenen Angaben hatte WWF Anfang November einen Adventskalender von Netto Marken-Discount im Labor analysieren lassen – auch hierbei wurden aromatische Mineral├Âle nachgewiesen. Der Pr├╝fbericht des Labors tr├Ągt das Datum 14.11. – weder der WWF noch Netto Marken-Discount machten die Ergebnisse zun├Ąchst jedoch publik, das Handelsunternehmen belie├č den Adventskalender im Sortiment. Auch der WWF forderte offenbar keinen R├╝ckruf sondern lie├č es zu, dass der belastete Adventskalender mit aufgedrucktem WWF-Logo weiterhin an Kinder bzw. Eltern verkauft wurde. Erst nachdem die Belastung neun Tage sp├Ąter, am 23.11., durch die von foodwatch beantragte Ver├Âffentlichung des bayerischen Landesamts ohnehin publik wurde, informierte der WWF ├╝ber die eigene Messung. Er erkl├Ąrte am 23.11. zudem, kein Geld aus dem Erl├Âs der Kalender von Netto Marken-Discount annehmen zu wollen. Urspr├╝nglich war geplant, dass der WWF je verkauften Kalender einen Euro f├╝r Artenschutzprojekte erhalten sollte.

[ig_button style=“notice puffy“ link=“http://www.wwf.de/netto-adventskalender/“ target=“_blank“]Stellungnahme des WWF >[/ig_button]

Der Fall Netto Markendiscount zeigt aus Sicht von foodwatch beispielhaft, dass der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Mineral├Âlen in Lebensmitteln nicht den Unternehmen ├╝berlassen werden darf:

– Das Mineral├Âlproblem war lange bekannt: Bereits 2015 hatte Netto Markendiscount den Messungen des bayerischen LGL zufolge einen MOAH-belasteten Adventskalender im Verkauf. Damals klagte das Unternehmen sogar gegen die Ver├Âffentlichung der Beh├Ârdendaten vor Weihnachten, verlor jedoch in zwei Instanzen.

– 2016 bringt Netto Markendiscount dennoch erneut einen MOAH-belasteten Kalender in den Handel. Nach Darstellung des WWF gab es zwar Anstrengungen zur Vermeidung von Mineral├Âl, etwa durch eine sorgf├Ąltige Auswahl der Verpackungsmaterialien – diese betrafen aber offenkundig nicht alle m├Âglichen Mineral├Âlquellen und konnten die MOAH-Verunreinigung der Schokolade nicht verhindern.

– Am 14.11. stellt das renommierte Berliner Institut Kirchhoff den Pr├╝fbericht f├╝r eine vom WWF beauftragte Analyse aus. Sie zeigt, dass der Kalender von Netto-Markendiscount erneut mit MOAH belastet ist.

– Am 23.11. ver├Âffentlicht das LGL auf Antrag von foodwatch entsprechende Untersuchungsergebnisse. Nun macht auch der WWF seinen Pr├╝fbericht publik. Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL erkl├Ąrt am selben Tag, dass ein R├╝ckruf nicht erforderlich sei. Netto-Konkurrent Norma bewertet dies offenbar anders und ruft die von ihm vertriebenen, MOAH-belastete Schokoladenkalender ├Âffentlich zur├╝ck – Netto Markendiscount zun├Ąchst nicht.

R├╝cknahme: Mineral├Âlr├╝ckst├Ąnde ÔÇô NORMA nimmt Adventskalender vom Markt

„Messdaten werden gar nicht erst publik oder erst sp├Ąt, belastete Produkte kommen dennoch in den Handel, der Branchenverband wehrt sich mit H├Ąnden und F├╝├čen gegen Ma├čnahmen zum Schutz der Gesundheit: Es gibt kaum einen Fall, in dem die Notwendigkeit regulativer Ma├čnahmen so offensichtlich ist wie bei der Mineral├Âlproblematik in der Lebensmittelwirtschaft“, erkl├Ąrte Johannes Heeg. „Bundesern├Ąhrungsminister Christian Schmidt hat es in der Hand, per Verordnung sichere Grenzwerte festzulegen. Es gibt keinen guten Grund, dies weiterhin zu unterlassen.“

Erneut kritisierte foodwatch die Verharmlosungen der Gesundheitsgef├Ąhrdung durch aromatische Mineral├Âle. Eine Verunreinigung mit MOAH sei selbst in geringer Konzentration gerade nicht „unbedenklich“. Eine solche Aussage widerspricht nach Auffassung von foodwatch dem Stand der Wissenschaft, der zufolge selbst Spuren aromatischer Mineral├Âle potenziell krebserregend und erbgutsch├Ądigend sind. So verweist die Europ├Ąische Lebensmittelbeh├Ârde EFSA darauf, dass solange aromatische Mineral├Âle – gleich in welcher Konzentration – in einem Lebensmittel vorhanden sind, immer von einem erbgutver├Ąndernden Potenzial ausgegangen werden muss („All MOH mixtures are mutagenic unless they are treated specifically to remove MOAH“).

[ig_button style=“alert puffy“ link=“https://www.foodwatch.org/uploads/media/2015-10_Mineraloel_in_Lebensmitteln_Hintergrund_15.pdf“ target=“_blank“]PDF – foodwatch-Hintergrundpapier Mineral├Âl >[/ig_button]

Link:
E-Mail-Aktion f├╝r einen besseren Schutz vor Mineral├Âl in Lebensmitteln: www.mineraloel-aktion.foodwatch.de

Quelle: foodwatch
Internet: www.foodwatch.de


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